Teil 2 – die 12 klassischen Kompensationen des Bewegungsapparates

Wie kompensiert unser Körper im täglichen Leben?

Am besten fangen wir von unten aus an und teilen den Körper in 5 Regionen ein.

  1. Fuß und Knöchel
  2. Knie
  3. Lendenwirbelsäule, Becken und Hüftkomplex
  4. Brustwirblelsäule und Schultern
  5. Halswirbelsäule und Kopf

Von dieser groben Einteilung aus können wir jetzt die klassischen Abweichungen bzw.
Kompensationen beschreiben.

  • zu 1, a, Über-Pronation und damit i.d.R. vergesellschaftet
  •          b, die eingeschränkte Dorsi-Flexion des Fußes
  • zu 2, a, die Abweichung des Knies zur Mittellinie hin
  •          b, die Abweichung der Kniescheibe von der „Ideallinie“ beim Beugen und Strecken
  • zu 3, a, die Vorwärtsdrehung des Beckens und damit einhergehend
  •          b, die verstärkte Lordose der Lendenwirbelsäule
  • zu 4, a, die verstärke Kyphose der Brustwirbelsäule und damit einhergend
  •          b, die Protraktion der Schulterblätter mit dem Effekt
  •          c, die Innenrotation der Arme
  •          d, ein nach zum Kopf hin gehobenes Schulterblatt
  • zu 5, a, die verstärkte Lordose der Halswirbelsäule vergesellschaftet mit
  •           b, einem nach vor das Schwerelot verlagertem Kopf

Das interessante daran ist, daß jeder dieser Bereiche nun die Ursache für eine Kompensation in einem anderen Bereich verantwortlich sein kann. Nehmen wir ein Beispiel.

Hat ein Klient z.B. sehr stark protrahierte Schultern – dies kommt heutzutage sehr häufig aufgrund unserer Arbeitsstituation vor, da wir häufig am Computer arbeiten und dabei die Maus bedienen. Diese protrahierte Stellung der Schultern bewirkt nun eine Innenrotation der Arme und eine verstärkte Kyphose der Brustwirbelsäule. Dies führt wiederum zu einer verstärkten Lordosierung der Halswirbelsäule aber auch der Lendenwirbelsäule. Dadurch werden sowohl der Kopf, als auch das Becken in eine Vorwärtsposition gebracht.
Betrachten wir jetzt nur mal den Kopf. Er befindet sich in einer Position vor dem Schwerelot. Diese Position bewirkt eine verstärkte Tätigkeit der Nackenextensoren. Die Nackenflexoren werden als Gegenspieler dabei immer schwächer, bis sie nicht mehr ihre Aufgabe erfüllen. Gleichzeitig verstärkt sich der Zug auf die Kiefergelenke und damit kommt es zu Bißproblemen, Tinitus und und und.

Aber das wäre nur die Auswirkung nach oben hin. Im Grunde finden wir nicht nur eine klassische Abweichung bei unseren Klienten sondern meistens mehrere aus der Liste. Interessant ist hierbei, dass eine Abweichung sich von den Füßen in Richtung Kopf aber auch vom Kopf aus in Richtung Füße manifestieren kann. Ein sehr häufiger „stummer“ Instandhalter der Abweichung ist die Brustwirbelsäule.

Die Brustwirbelsäule sollte aus der Sicht des Joint-to-Joint-Approaches mobil sein, während die Hals- und Lendenwirbelsäule stabil sind. Durch die verstärkte Kyphosierung der Brustwirbelsäule kehrt sich das Ganze um. Die Brustwirbelsäule wird immobil und die Hals- und Lendenwirbelsäule verlieren ihre Stabilität. Das Resultat sind Schmerzen in der Hals- und Lendenwirbelsäule. Mit diesen Symptomen kommt der Klient zu uns. Jetzt liegt es an uns, ob wir den Schmerz jagen oder auf die Suche nach der Ursache gehen.

Von daher möchte ich noch folgende Überlegungen mit auf den Weg geben. Im Grunde erlernen wir die Biomechanik an der Leiche. Für die biomechanische Betrachtung an einem lebendem Menschen müssen wir „ground-reaction-forces“, „impact“ und die Schwerkraft mit hinein nehmen. Am Ende ist das, was wir als Muskelfunktion am Toten gesehen haben, 180° für die Muskelfunktion beim Lebenden unter diesen Aspekten umzukehren.